so sehen es zumindest die meisten Erwachsenen und viele Politiker. Nicht erst seit dem Amoklauf von Erfurt am 26. April 2002, bei dem Robert Steinhäuse zwölf Lehrer, eine Sekretärin, zwei Schüler und einen Polizisten tötet, bevor er sich selbst erschoss, gibt es eine große Debatte über die sogenannten Ego-Shooter-Computerspiele. Diese Spiele, bei denen es angeblich nur darauf ankommt seine Gegner schnell und gezielt zu töten, würden bei Kindern und Jugendlichen die Gewaltbereitschaft erhöhen. In vielen Studien wurde dies mittlerweile auch nachgewiesen. Unter anderem in einer Studie von Jessica Nicoll und Kevin M. Kieffer von der Saint Leo Universität bestätigen diese These.
Doch es gibt auch Studien die genau das Gegenteil bestätigen. So kommt eine Studie vom Beth Israel Medical Center und der Iowa State University zu dem Ergebnis, dass Ärzte, die mindestens drei Stunden pro Woche vor der Spielekonsole verbringen, 37 Prozent weniger Fehler machen würden. Auch seien die spielenden Ärzte deutlich schneller: Im Schnitt bräuchten sie 27 Prozent weniger Zeit für die notwendigen Operationen.
Auch Nikolaos Kyriakidis (Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaft der RUB) fragt einmal umgekehrt: Was können die Spiele für die Sozialisation Jugendlicher eigentlich leisten? Fazit seiner Arbeit „Fun, Anyone!? Jugendliche Sozialisation und die Faszinationskraft von Video- und Computerspielen“ : Im Umgang mit Problemen können die Spiele den Heranwachsenden tatsächlich helfen. Die Spieler selbst gehen völlig entspannt mit den Spielen um, und die Gesellschaft täte gut daran, ebenfalls entspannt zu bleiben.
Nun könnte ich hier Stunden damit verbringen verschiedenste Studien aufzulisten. Doch das ist nicht mein Bestreben. Für mich stellt sich hier vielmehr eine ganz andere Frage: Machen Ego-Shooter Jugenliche zu potentiellen Amokläufern oder spielen potentielle Amokläufer gerne Ego-Shooter?
Fakt ist, dass etwa 90 % der männlichen Jugendlichen in meinem Jugendtreff regelmäßig Counter Strike spielen oder schon gespielt haben. Doch keiner von ihnen ist bisher Amok gelaufen. Auch legen sie m. E. kein besonders erhöhtes Aggressionsverhalten an den Tag. Sie alle sind „ganz normale Jungs“. Im Gespräch mit ihnen erzählen mir die meisten, dass ihnen bewusst sei dass es in den Spielen um töten ginge, sie desshalb aber trozdem nicht wirklich töten würden. Sie könnten zwischen Realität und Spiel unterscheiden, meinen sie. Außerdem ginge es bei Counter-Strike in erser Linie um Taktik und Strategie und nicht so sehr um das töten.
So war klar, dass immer wieder der Wunsch nach einer LAN-Party in meinem Jugentreff Freetime geäußert wurde. Auf meine Frage, was bei einer solchen LAN-Party für ein Spiel gespielt werden solle, gab es nur eine Meinung: Counter-Strike.
Nun musste ich mich dem Thema stellen und mir selbst ein Bild davon machen. Was ist Counter Strike? Wie geht es? Ab welchem Alter ist es freigegeben? Kann ich es vertreten dass solch ein Spiel in meinem Jugentreff gespielt wird?
Ich kaufte mir also das Computerspiel „Counter-Strike: Condition Zero“ und installierte es auf meinem Notebook. Schnell fand ich in das Spiel hinein und erlernte die Handhabung und die Steuerung. Seither spiele ich immer wieder dieses Spiel. Ich versuche Missionen zu gewinnen indem ich Terroristen ausschalte und Geiseln befreie.
Nach nun einer Woche „testen“ muss ich sagen. Counter-Strike spielen macht echt Spaß. Seit ich es selbst spiele verstehe ich die Jugendlichen, die von diesem Spiel begeistert sind. Nicht umsonst ist es das NR. 1 Spiel auf LAN-Partys. Mittlerweile gibt es schon Meisterschaften (sogar Weltmeisterschaften) bei denen Teams (sogenannte Clans) gegeneinander antereten. Das Preisgeld liegt dabei bei mehreren 10.000 Euro für die Sieger.
Ich erlebe gerade selbst, dass es bei diesem Spiel vor allem um Taktik und Teamarbeit geht. Nur durch gute Kommunikation mit den Mitspielern und durch überlegtes Vorgehen kann man in diesem Spiel bestehen. Trotz allem geht es letztlich in Counter-Strike darum, Terroristen am legen einer Bombe zu hindern oder Geiseln zu befreien. Dies geschieht durch gezieltes töten. Ist das OK? Darf ich jemanden, wenn auch nur virtuell, töten? Können Jugendliche (und Erwachsene) wirklich irgendwann nicht mehr zwischen Realität und Computerspiel unterscheiden?
Darf ich also ein solches Spiel, unter Betrachtung der oben angeführten Aspekte, nun im Jugendtreff spielen oder nicht? Besser gefragt: Lass ich es zu, dass in meinem Jugendtreff Counter-Strike gespielt wird?
Ich habe mich entschieden es zu wagen. Auschlaggebend für diese Entscheidung war mein Selbsttest. Jedoch werde ich einige Beschränkungen einhalten.
1. Altersfreigabe
Die Version die ich mir gekauft habe hat keine Jugendfreigabe und kommt somit schon aus rechtlicher Sicht nicht für meine LAN-Party in Frage. Es gibt jedoch auch eine Version (Counter-Strike: Source) die ab 16 Jahren freigegeben ist. Diese werde ich einsetze. Es dürfen dann auch nur Jugendliche ab 16 Jahre an der LAN-Party teilnehmen.
2. Ausschließlichkeit
Counter-Strike wird während der LAN-Party auf den beiden Computern des Freetime installiert werden, danach jedoch wieder von mir entfernt. So ist gewährleistet, dass während des normalen Beriebes im Jugendtreff keine Personen unter 16 Jahren Counter-Strike spielen werden. Außerdem wird die LAN-Party zeitlich begrenzt sein.
Mein Fazit:
Computerspiele im allgemeinen, und Ego-Shooter im speziellen, sind mittlerweile Teil unseres Kulturgutes. Sie sollten weder verteufelt noch zu sehr gelobt werden. Sie gehören mittlerweile so selbstverständlich zur Lebenswelt der postmodernen Generation dazu, wie es für frühere Generationen Haustiere oder Gesellschaftsspiele waren. Es stecken sicher Gefahren dahinter (wo gibt es sie nicht?), doch sollte die Debatte darüber etwas gelassener geführt werden. Ich glaube nicht dass Ego-Shooter wie Counter-Strike dafür verantwortlich sind, dass Jugendliche und Erwachsene plötzlich Amoklaufen. Solche Taten ausschließlich als Auswirkungen solcher Computerspiele zu bewerten ist viel zu oberflächlich. Amokläufer, oder generell gewaltbereite Jugendliche, haben mit Sicherheit entweder psychische Störungen (woher kommen die?) oder Defizite in ihrer Entwicklung, ihrem Denken oder ihrer Persönlichkeit, welche alle von Kindheit an geprägt werden.
Es ist gut dass Computerspiele wie Counter-Strike keine oder nur beschränkte Altersfreigaben bekommen. denn m. E. gehen Jugendliche und junge Erwachsene ab 16 Jahren mit solche spielen nochmal anders um als etwa 12-jährige. Eine Altersfreigabe unter 16 Jahren würde ich nicht befürworten. Dass trotz Altersbeschränkung Kinder unter 16 Jahren diese Spiele spielen sehe ich sehr kritisch. Hier sind m. E. vor allem die Eltern in der Pflicht, ihren Kindern Grenzen zu setzten und so auch Verantwortung für sie zu übernehmen.
Wer ein JA zur Bundeswehr und zur Terrorbekämpfung hat, kann m. E. nichts verwerfliche daran finden, dass angehende Wehrpflichtige Jugendliche (ab16 Jahre) am Computer gegen Terroristen kämpfen und Geiseln aus deren Hand befreien.
P.S.: Ich werde nach der LAN-Party noch einmal über meine Erfahrungen posten!
Abgelegt unter : Sonstiges
Super wie du an das Thema herangehst! „Computerspiele im allgemeinen, und Ego-Shooter im speziellen, sind mittlerweile Teil unseres Kulturgutes.“ Genau richtig. Und eine Runde HALO (oder halt CS) spielen entspannd ja auch wirklich.
Bedenklich werden Shooter, meiner Meinung nach, dann wenn die Spieler ständig gekonnt geängstigt und erschreckt werden. siehe DOOM3 – da graben sich Dinge ins Unterbewusstsein die da nicht hingehören…
Aber gegen die gute alte LAN-Action (HALO oder CoD, CS) mit den kleinen Brüdern ist, so wie ich finde nichts einzuwenden. Wenn sie denn alt genug sind, versteht sich.
[...] Thema “Counter-Strike” und “Ego-Shooter” beschäftigt (siehe Post “Ego-Shooter schüren Gewalt“) und kann nun, nachdem ich meine Jungfräulichkeit bezüglich Counter-Strike verloren habe, [...]
[...] Aber versucht euch (Ich nehme an, die meisten hier gehen nicht mehr > zur Schule) einmal vorzustellen, auf der Arbeit nicht mehr das tragen > zu dürfen, was ihr [...]
Naja also bei dieser Israelischen Studie könnte es auch daran liegen, dass Ärzte die zocken vermutlich jünger sind und somit modernere Techniken kennen und noch geschickter mit den Händen sind.
[...] computerspiele nicht ganz so nerdhaft und pingelig zu reagieren. > Das ist vielleicht der Unterschied zwischen normalen Leuten und > Nerds. nein – das ist der unterschied zwischen leuten mit ahnung und populisten. > irgendwie war ziemlich klar, was er allgemein damit sagen > wollte, auch ohne jetzt jedes Genre und Untergenre und und und > aufzuzählen. mir ist es absolut nicht klar… strategiespiele oder egoshooter zb. ? erkläre es mir erleuchteter > Sicher waren diese Worte auch hauptsächlich an jene Bevölkerungsteile > gerichtet, die sich eben nicht so genau mit all den Genres auskennen. > Und die haben sicher auch verstanden, was er sagen wollte. ja… NATÜRLICH sind sie an den teil der bevölkerung gerichtet der davon keine ahnung hat. man will ja schließlich nicht sachlich diskutieren oder sogar informieren sondern nur aufmerksamkeit / stimmen etc. verstanden haben sie aber sicher nicht was er sagen wollte – wenn selbst pc-spieler nicht wissen was gemeint ist – wie soll es einer wissen der davon keine ahnung hat ? [...]